Was am Sonntag, 27. September 2026, auf dem Gelände des Krankenhauses Freyung zu sehen war, wirkte für Außenstehende wie ein realer Großeinsatz: Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst, zahlreiche Einsatzkräfte, verletzt geschminkte „Patienten“ sowie Angehörige, die nach ihren Familienmitgliedern suchten. Tatsächlich handelte es sich um eine groß angelegte Übung zum sogenannten Massenanfall von Verletzten (MANV). Ziel war es, die Kliniken Am Goldenen Steig gemeinsam mit den örtlichen Rettungsdiensten und Feuerwehren auf die Bewältigung eines größeren Schadensereignisses vorzubereiten und die Abläufe für einen tatsächlichen Ernstfall zu überprüfen.
Rund ein Jahr lang wurde die Übung vorbereitet. Maßgeblich an der Planung beteiligt waren Alexander Wiesmüller als stellvertretender Stationsleiter der Zentralen Notaufnahme, sowie Dr. med. Johannes Michl, Oberarzt der Unfallchirurgie am Krankenhaus Freyung, die gemeinsam mit den beteiligten Organisationen und Fachbereichen ein möglichst realistisches Szenario entwickelten. Dabei sollte nicht nur die medizinische Versorgung einer größeren Zahl von Verletzten geprobt werden. Im Mittelpunkt standen ebenso die Kommunikation, die Koordination der verschiedenen Einsatzkräfte, die Aufnahme und Weiterleitung der Patienten sowie die Zusammenarbeit zwischen den externen Einsatzorganisationen und dem Krankenhaus.
Explosion in der Psychosomatik als Übungsszenario
Als Szenario wurde eine Explosion im Gebäude der Psychosomatik angenommen. Dabei wurden mehrere Personen verletzt. Zusätzlich wurden Angehörige dargestellt, die nach dem Ereignis am Krankenhaus eintrafen und nach verletzten Familienmitgliedern suchten.
Für die Darstellung der Verletzten standen mehr als 20 Schauspielerinnen und Schauspieler zur Verfügung. Damit die Situation möglichst realitätsnah dargestellt werden konnte, wurden die „Patienten“ durch das RUD (Realistische Unfall Darstellung)-Schminkteam der Malteser entsprechend geschminkt. Verletzungsmuster und verschiedene Patientensituationen konnten dadurch realistisch dargestellt werden. So entstand für die beteiligten Einsatzkräfte eine Situation, die deutlich näher an einem tatsächlichen Schadensereignis lag als eine rein theoretische oder statische Übung.
Gerade bei einem Massenanfall von Verletzten ist die Situation für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung: Nicht nur die Zahl der Patienten ist erhöht, auch die Verletzungsschwere kann sehr unterschiedlich sein. Gleichzeitig müssen Einsatzkräfte und medizinisches Personal den Überblick behalten, Prioritäten setzen und die vorhandenen Ressourcen gezielt einsetzen.
Rettungsdienste übernehmen Erstversorgung und Sichtung
Nach der angenommenen Explosion begann der Einsatz zunächst im Bereich des Schadensortes. Die örtlichen Rettungsdienste übernahmen dabei unter der Leitung von Werner Kloiber die Erstversorgung der Verletzten und die strukturierte Erfassung der Patienten.
Für die weitere Versorgung wurde im Bereich der Notaufnahme der Kliniken Am Goldenen Steig ein Triage-Punkt eingerichtet. Dort wurden die Patienten übernommen, beurteilt und entsprechend ihrer Verletzungssituation der weiteren medizinischen Versorgung zugeführt.
Neben den durch die Rettungsdienste transportierten Verletzten wurden im Übungsszenario auch Patienten berücksichtigt, die eigenständig zu Fuß zur Notaufnahme kamen. Dieses Element sollte eine weitere realistische Herausforderung abbilden, die bei größeren Schadensereignissen auftreten kann.
Viele Fachbereiche des Krankenhauses eingebunden
Auf Seiten der Kliniken Am Goldenen Steig waren zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Pflege und ärztlichem Dienst an der Übung beteiligt. Dabei wurden unterschiedliche medizinische Fachbereiche eingebunden. So konnte nicht nur die Versorgung einzelner Verletzter, sondern auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Krankenhauses erprobt werden.
Gerade bei einem größeren Schadensereignis müssen zahlreiche Prozesse gleichzeitig funktionieren. Während Einsatzkräfte die Verletzten versorgen und zum Krankenhaus transportieren, müssen dort Kapazitäten geschaffen, Patienten aufgenommen, untersucht und behandelt sowie die weiteren Abläufe koordiniert werden. Gleichzeitig gilt es, Angehörige und weitere Betroffene im Blick zu behalten.
Zusammenarbeit über Organisationsgrenzen hinweg
An der Übung beteiligt waren alle örtlichen Rettungsdienste (Rettungsdienst Stadler, Malteser, EMS, BRK), einige umliegende Feuerwehren (Freyung, Winkelbrunn, Hinterschmiding) sowie die Leistelle zur grundlegende Koordination. Die Feuerwehrkräfte standen dabei unter der Leitung von Herrn Michael Grünzinger. Durch die Beteiligung verschiedener Organisationen konnte die Zusammenarbeit an den Schnittstellen zwischen Schadensort, Rettungsdienst und Krankenhaus realitätsnah geprobt werden.
„Ein solches Szenario lässt sich nicht von einer einzelnen Organisation bewältigen. Im Ernstfall müssen viele unterschiedliche Beteiligte innerhalb kürzester Zeit eng zusammenarbeiten“, verdeutlicht Herr Grünzinger. Genau diese Zusammenarbeit stand deshalb im Mittelpunkt des Übungstages.
Landrat Gruber informiert sich vor Ort
Auch Landrat Sebastian Gruber machte sich vor Ort ein Bild von der laufenden Übung. Die Beteiligung des Landkreises unterstreicht zugleich die Bedeutung einer funktionierenden Zusammenarbeit aller Beteiligten im Bevölkerungsschutz und bei der medizinischen Versorgung im Landkreis.
Am Ende des Übungstages stand deshalb nicht allein die Feststellung, dass die Abläufe funktioniert haben. Viel wichtiger sind die Erkenntnisse darüber, wo Prozesse noch verbessert werden können und welche Abläufe weiter optimiert werden müssen. „Die Erfahrungen aus dem Übungstag sollen dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen weiter zu festigen und die vorhandenen Strukturen für einen möglichen Ernstfall kontinuierlich zu verbessern.“, so Dr. med. Johannes Michl, Oberarzt Unfallchirurgie der Kliniken Am Goldenen Steig.
Die gewonnenen Erfahrungen werden deshalb im Nachgang detailliert ausgewertet. Die MANV-Übung am Krankenhaus Freyung hat eindrucksvoll gezeigt, wie viele unterschiedliche Akteure im Fall eines größeren Schadensereignisses ineinandergreifen müssen. Durch die gemeinsame Übung konnten diese Abläufe unter realitätsnahen Bedingungen trainiert, Schnittstellen überprüft und Verbesserungspotenziale erkannt werden.



