Der Verlust eines Kindes während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz danach gehört zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, die Eltern erleben können. Oft bleibt die Trauer im Verborgenen, obwohl der Verlust das Leben der betroffenen Familien nachhaltig prägt. Umso wichtiger sind Orte, an denen Erinnerungen ihren Platz haben, Abschied möglich ist und Trauer Raum bekommen darf. In Freyung setzen sich zahlreiche engagierte Menschen dafür ein, Familien in dieser schweren Zeit nicht allein zu lassen.
Bereits 2008 richtete die Stadt Freyung auf dem neuen Friedhofsteil am Waldvereinsweg eine eigene Grabstätte für Sternenkinder ein. Sie bietet Eltern und Angehörigen einen geschützten Ort, an dem sie innehalten, ihrer Kinder gedenken und ihrer Trauer Ausdruck verleihen können. Der Grabstein mit seinem Schmetterlingsmotiv steht symbolisch für Wandlung, Hoffnung und Auferstehung. Die Ruhestätte ist jederzeit zugänglich und kann von den Angehörigen individuell gestaltet werden.
Eine wichtige Stütze für trauernde Familien ist Kinderkrankenschwester Kathrin Ernst-Zipp, die sich seit vielen Jahren mit großem persönlichen Einsatz um die Gedenkstätte kümmert. Darüber hinaus organisiert sie mehrmals im Jahr Trauergottesdienste mit anschließender Beisetzung. Diese Zusammenkünfte schaffen einen würdevollen Rahmen, um Abschied zu nehmen, Erinnerungen zu teilen und in der Gemeinschaft Trost zu finden.
Unterstützt wird die Gedenkstätte von verschiedenen Menschen und Einrichtungen, deren Engagement die würdevolle Gestaltung der Beisetzungen ermöglicht. Das Bestattungsinstitut Pradl begleitet diese seit vielen Jahren ehrenamtlich. Die Firma Landfuxx stellt seit dem 1. Juli 2025 den Blumenschmuck zur Verfügung. Die Kosten für die Einäscherung übernimmt das Krankenhaus Freyung, während der Förderverein des Krankenhauses die Ausgaben für Grabschmuck und Kerzen trägt. Dieses Zusammenwirken zeigt, wie wertvoll Gemeinschaft und Mitgefühl gerade in besonders schweren Lebenssituationen sind.
„Jede Familie soll die Möglichkeit haben, auf ihre ganz eigene Weise Abschied zu nehmen. Mit der Gedenkstätte möchten wir einen Ort schaffen, der Raum für Trauer lässt, Erinnerungen bewahrt und den Eltern zeigt, dass sie in dieser schweren Zeit nicht allein sind“, sagt Kathrin Ernst-Zipp.
Im Jahr 2025 mussten im Krankenhaus Freyung 13 Frauen den Verlust ihres Kindes verkraften. In den meisten Fällen ereignete sich dieser in einer frühen Phase der Schwangerschaft, zwischen der fünften und zehnten Schwangerschaftswoche. Jeder Verlust bedeutet für die betroffenen Eltern einen schmerzhaften Abschied. Die Möglichkeit einer würdevollen Beisetzung und eines persönlichen Gedenkens kann ihnen helfen, ihren eigenen Weg durch die Trauer zu finden.
Ein weltweit verbindendes Zeichen der Erinnerung ist der Worldwide Candle Lighting Day, der jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember (dieses Jahr am 13.12.) stattfindet. Familien und Angehörige entzünden um 19 Uhr Ortszeit eine Kerze im Fenster und erinnern damit an ihre verstorbenen Kinder, Geschwister sowie Enkelinnen und Enkel. Durch die unterschiedlichen Zeitzonen entsteht symbolisch ein Lichterband, das die Welt umspannt und die Verbundenheit trauernder Familien zum Ausdruck bringt.
Die Gedenkaktion wurde 1996 von der amerikanischen Organisation „The Compassionate Friends“ ins Leben gerufen. Bis heute lädt sie Menschen auf der ganzen Welt dazu ein, gemeinsam innezuhalten und den Kindern, die viel zu früh gehen mussten, einen Platz in der Erinnerung zu bewahren.
Niemand muss mit seiner Trauer allein bleiben. Im Landkreis Freyung-Grafenau und darüber hinaus gibt es verschiedene Anlaufstellen, die betroffenen Eltern Unterstützung, Gespräche und die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Familien anbieten.
Der Hospizverein im Landkreis Freyung-Grafenau e. V. begleitet Eltern unter anderem im Rahmen der geleiteten Selbsthilfegruppe „Sternenkinder“. Interessierte können sich telefonisch unter 0171/4836819 oder per E-Mail an info@hospizverein-frg.de melden.
Auch die staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen im Gesundheitszentrum Waldkirchen bietet Gespräche für Eltern an, die ihr Kind während der Schwangerschaft oder rund um die Geburt verloren haben. Ansprechpartnerinnen sind die Sozialpädagoginnen Katrin Greiner, Antonia Lechl und Johanna Dorner. Die Beratungsstelle ist per E-Mail unter schwangerenberatung@landkreis-frg.de sowie telefonisch unter 08551/57-4054, 08551/57-4060 und 08551/57-4051 erreichbar.
Eine weitere Anlaufstelle ist die Selbsthilfegruppe „Leere Wiege“ in Vilshofen. Dort stehen Birgit und Roman Seidler unter der Telefonnummer 08509/93345 als Ansprechpartner zur Verfügung.
