In dringenden Notfällen wenden Sie sich bitte direkt an die interdisziplinären Notaufnahmen der Standorte Freyung oder Grafenau.

Diese sind 24 Stunden besetzt und sind wie folgt erreichbar:

Notaufnahme Freyung

Tel: +49 8551 977-0

Bitte melden Sie sich beim Haupteingang des Krankenhauses an der Pforte, bzw. läuten Sie nachts an der dafür vorgesehenen Glocke.

Notaufnahme Grafenau

Tel: +49 8552 421-3225

Bitte melden Sie sich beim Haupteingang des Krankenhauses an der Pforte, bzw. läuten Sie nachts an der dafür vorgesehenen Glocke.

Von der Corona-Front: Chefarzt Peter Bomba und Oberarzt Dr. Stadlmeyer berichten

Wie viele Corona-Patienten haben Sie bisher in etwa behandelt?

Welche Patienten kommen überhaupt ins Krankenhaus Freyung? In welchem gesundheitlichen Zustand befinden sich die Patienten? Ist nicht eigentlich Grafenau die Corona-Anlaufstation im Landkreis Freyung-Grafenau?

 

Primärer Aufnahmeort von Patienten mit COVID-19 bzw. Verdacht auf COVID-19 ist das Krankenhaus Grafenau. Das Freyunger Krankenhaus ist für Patienten zuständig, für deren Versorgung ein nur in Freyung vorgehaltener medizinischer Bereich benötigt wird, z.B. bei einer Operation wegen einem Unfall (Unfallchirurgie), bei Baucherkrankung oder Gefäßverschluss (Visceral- und Gefäßchirurgie). Im Krankenhaus Freyung haben wir einen abgeschlossenen Sonderbereich auf der Intensivstation, wo COVID-Patienten beatmet werden können und intensivpflichtige Patienten mit chirurgischen Erkrankungen liegen, bis klar ist, ob sie an COVID-19 erkrankt sind oder nicht. Die meisten behandelten Patienten waren COVID-suspekt, wobei sich der Verdacht meist nicht bestätigt hatte.

 

Gab es zu Hoch-Zeiten der Corona-Krise Tage, in denen der befürchtete Kapazitätsengpass bei Intensivbetten nah war?

 

Nein. Im Landkreis Freyung- Grafenau sind die Infizierten-Zahlen Gott sei Dank nicht so dramatisch angestiegen, wie in den oberbayerischen oder oberpfälzer Städten. Trotzdem wurden vorsorglich alle geplanten, nicht-lebenswichtigen Operationen (elektive Eingriffe) verschoben. So standen zu jedem Zeitpunkt eine ausreichend große Anzahl an Intensivbetten und Beatmungsplätze zur Verfügung. Durch bereits im Vorfeld ausgearbeitete Bettenpläne und eine gezielte Steuerung der Patientenströme wurden die Schwerstkranken immer zuerst auf der Intensivstation im Krankenhaus Grafenau versorgt. Dank der engen, standortübergreifenden Zusammenarbeit – wir hatten tägliche Onlinebesprechungen – konnte das Team der Intensivstation Freyung bei Bedarf sehr zeitnah das Krankenhaus Grafenau entlasten. Je nach Auslastung der Grafenauer Intensivstation wurden die Patienten so bedarfsweise auf die Intensivstation in FRG verlegt.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Covid-19-Patienten gemacht? Was waren die häufigsten Krankheitsbilder?

 

Die häufigsten Krankheitsbilder waren atypische Pneumonien bis hin zu Vollbildern eines ARDS mit Lungenversagen. Neben Lungenversagen hatten die Patienten häufig mit Problemen bei Herz/Kreislauf und der Blutgerinnung zu kämpfen.

 

Welche Therapien haben sich bis dato bewährt?

 

Es muss jeden Tag neu auf die Bedürfnisse des Patienten ganz flexibel eingegangen werden. Es gibt keine Standardbehandlungen. Falls erforderlich eine sorgsame intensivmedizinische Behandlung.

 

Hatten Sie auch Patienten jüngeren Alters oder ohne Vorerkrankungen auf Ihrer Intensivstation?

 

Nein. Die stationären Patienten mit einer Covid-19 Infektion waren alle über 60. In diesem Alter gibt es kaum Patienten ohne Vorerkrankungen.

 

Wie unterscheidet sich die aktuelle Situation von anderen, früheren Krankheitswellen?

 

Die sehr aufwendige Pflege und Behandlungen müssen unter stringenten Isolierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Es ist sehr zeitaufwendig und körperlich belastend.

 

Was ist aus medizinischer Sicht das Gefährliche an einer Covid-19-Erkrankung?

 

Die sehr lange Inkubationszeit. Dadurch können alle Maßnahmen, die der Eindämmung der Ausbreitung der Erkrankung dienen, erst mit einer 2-4 wöchigen Verspätung beurteilt werden.

Es gibt keine etablierten Pfade in der COVID 19 Behandlung. Die Behandlung der kritisch kranken Patienten erfordert Erfahrung in der Beatmungsmedizin und maximale Flexibilität in der Interpretation der Befunde und Änderung der Behandlungspfade. Nicht zuletzt weiß man, dass bei jeder Intubation oder Bronchoskopie die Wahrscheinlichkeit einer Infektion am höchsten ist.

Bei Influenza kommen normalerweise Patienten mit einer massiven Vorerkrankung auf die Intensivstation. Bei COVID-19 hatten die Patienten teilweise nur leichte Vorerkankungen wie z.B. erhöhter Blutdruck oder eine chronische Bronchitis. Bei einem schweren Krankheitsverlauf liegen die Patienten in der Regel mehrere Wochen auf Intensiv. Zudem verschlechtert sich die Erkrankung rasch, was der Betroffene zunächst meist unterschätzt und wir daher erst relativ spät zum Einsatz kommen.

 

Seit Wochen sinken die Infektionszahlen. Deutschland und vor allem auch die Region Freyung-Grafenau scheinen gut durch die Krise zu kommen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Vor allem an der bisher sehr guten Adhärenz der Bevölkerung, die sich offen und diszipliniert gegenüber den Empfehlungen der Politik und der Gesundheitsämter zeigt. Von Vorteil ist sicherlich auch die ländliche Struktur ohne zahlreiche Hochhaussiedlungen. Auch die Besuchseinschränkungen und vorübergehenden Verbote in Altenheimen und Krankenhäusern waren und sind eine wichtige Maßnahme, wie man aus schwer betroffenen Nachbarländern sieht.

Darüber hinaus an der sehr guten ambulanten Arbeit der Hausärzte und der Pflegedienste sowie der guten Kommunikation zwischen Hausärzten und dem Krankenhaus Grafenau bei der Patientenankündigung und Einleitung der stationären Behandlung.

 

 

Halten Sie aus medizinischer Sicht die immer stärkeren Lockerungen für vertretbar? Riskiert man so nicht eine weitere Krankheitswelle?

Es ist eine Abwägungssache, die die Politik letztlich entscheiden muss. Die Entscheidungen mit Augenmaß, welche bisher getroffen wurden, sind wohlüberlegt und durchdacht. Es muss auf der politischen Ebene entschieden werden, was sich die Gesellschaft finanziell leisten kann. Das Geld ist ja nicht unbegrenzt vorhanden. Es nützt ein, nur der Medizin untergeordneter Kurs nix, wenn das Gesundheitssystem irgendwann nicht mehr bezahlbar ist. Abgesehen von den vielen finanziellen Existenzen, die auf dem Spiel stehen. Eine Top-Lösung wird es hier nicht geben. Es wird so oder so ein (vielleicht auch schmerzlicher) Kompromiss unter Abwägung vieler Aspekte.

 

Spüren auch Sie, dass viele Erkrankte (nicht Corona-Patienten) derzeit weitestgehend das Krankenhaus meiden? Ist die Angst vor einer Corona-Ansteckung vielleicht sogar gefährlicher als der Virus selbst?

 

Dass Patienten grundsätzlich Ärzte meiden war im stationären aber auch z.T. im ambulanten Sektor zu beobachten. Es wird auch dazu führen dass viele Leute nicht am Corona-Virus sterben, sondern wegen ihm. Kein Patient liest vorher Studien oder vergleicht Risiken, bevor er zum Arzt geht – sei es ambulant oder stationär, in der Praxis oder im Krankenhaus. Das sind Bauchentscheidungen. Fakt ist, dass wir im Vergleich zu vorher Patienten oft erst spät, zum Teil viel zu spät gesehen haben, weil sie lieber abwarten wollten. Diese Phase scheint jetzt aber vorbei zu sein.

 

 

Wie schützen Sie als Mediziner sich vor dem Virus? Halten Sie die strengen Regeln für angemessen oder übertrieben?

Im Moment wird im Krankenhaus Grafenau eine ganz strenge Linie verfolgt. Bei allen Patienten werden, bevor sie das Krankenhaus betreten, Temperatur, Herzfrequenz, sowie die Sauerstoffsättigung gemessen und dokumentiert. Alle Patienten werden auf respiratorische Symptome befragt. Bei einem Hauch von Unsicherheit wird auf COV-2-Virus getestet und bis zum 2-ten negativen Abstrich isoliert. Dadurch versprechen wir uns die momentan höchste Wahrscheinlichkeit der Erkennung von COV-2-Infektionen. Auf der Isolationsstation des Grafenauer Krankenhauses arbeiten alle in voller Schutzausrüstung. (FFP2 Masken, Schutzkittel, Handschuhe, Hauben, ggf. Schutzvisiere oder Brillen). Händehygiene, Abstand, kurze Kontaktzeiten mit Patienten, Räume lüften spielen eine entscheidende Rolle. Wir wissen alle, dass mit diesen Maßnahmen die Infektionswahrscheinlichkeit deutlich reduziert wird, aber nicht gleich Null gesetzt werden kann. Chefarzt Peter Bomba betont, dass er und sein Team momentan in der glücklichen Lage sind diese Situation mit der ausreichenden Schutzausrüstung genießen zu können. Dies ist weltweit betrachtet ein Privileg.

Ob die strengen Regeln angemessen oder übertrieben sind, darüber zu diskutieren, solange immer wieder neue Hotspots aus dem nichts entstehen, sind aus Respekt vor der Gesundheit aller Krankenhausmitarbeiter und dem Erfolg der letzten Wochen mit geringen Krankheits- und Todesfällen einfach deplatziert. Mittlerweile weiß man zweifelsfrei aus Studien und Experimenten, dass das Tragen der Schutzmasken die Infektionsrate entscheidend reduziert.

 

Auch im Krankenhaus Freyung gelten die gleichen strengen Schutzmaßnahmen.

Wie Dr. Stadlmeyer betont ist ein wesentlicher Punkt, einen kühlen Kopf zu bewahren, denn in unübersichtlichen hektischen Situationen passieren Fehler.

 

Oberarzt Dr. Stadlmeyer zur Frage, ob die strengen Regeln übertrieben oder angemessen sind. „Die letzte Frage würde ich gerne salomonisch beantworten. Wer übernimmt die Verantwortung für die Folgen? Eine zu starke Lockerung, die vielleicht zu unnötigen schweren Verläufen führt oder zu strikte Regeln, die unangenehm sind und vielleicht Kollateralschäden verursachen? In der Nachbetrachtung ist es einfach(er), darüber zu urteilen, aber es geht hier um ein Gestalten (müssen), ohne die Zukunft genau zu kennen.

 

Um es in ein Bild zu verpacken. Wenn der Schafstall brennt, bringt es den Schafen nichts, wenn sie zwei Fluchtwege so lange vergleichen, bis beide versperrt und unpassierbar sind, mit der Folge, dass alle umkommen. Entscheidet man sich für den schlechteren Ausgang mögen 50% überleben, beim besseren 80% oder mehr, ohne eine Entscheidung 0%. Hochachtung für die, die entscheiden und Verantwortung tragen, und Dankbarkeit, dass es keine 0% wie beim Schafstall sind.“