In dringenden Notfällen wenden Sie sich bitte direkt an die interdisziplinären Notaufnahmen der Standorte Freyung oder Grafenau.

Diese sind 24 Stunden besetzt und sind wie folgt erreichbar:

Notaufnahme Freyung

Tel: +49 8551 977-0

Bitte melden Sie sich beim Haupteingang des Krankenhauses an der Pforte, bzw. läuten Sie nachts an der dafür vorgesehenen Glocke.

Notaufnahme Grafenau

Tel: +49 8552 421-3225

Bitte melden Sie sich beim Haupteingang des Krankenhauses an der Pforte, bzw. läuten Sie nachts an der dafür vorgesehenen Glocke.

Respekt, aber keine Angst: Interview mit Chefarzt Peter Bomba

Quelle: Passauer Neue Presse, Grafenauer Anzeiger vom 22.04.2020

 

Interview mit Chefarzt Dr. Peter Bomba, der derzeit die Corona-Station in Grafenau betreut

Sie kämpfen jeden Tag dafür, dass die Gesellschaft in der Coronakrise nicht zusammenbricht. Sie halten das öffentliche Leben aufrecht, bringen ein Stück Normalität in einer Zeit der Ausnahmen. Der Grafenauer Anzeiger stellt in der Serie Covid-Kämpfer genau diese Menschen vor.


Grafenau. Verändert hat sich der Berufsalltag von Dr. Peter Bomba, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin/Kardiologie, im Krankenhaus, denn momentan betreut er auch die Station, die sich um verdächtige Covid-19 -Patienten kümmert. Für Fälle aus dem Landkreis ist das Krankenhaus in Grafenau die Anlaufstelle. Im Interview mit der Heimatzeitung erklärt Bomba u.a., wie sich der Krankenhausalltag durch Corona verändert hat.

Dr. Bomba, wie sieht Ihre Arbeit auf der Corona-Station aus? Was hat sich in Ihrem Berufsalltag verändert?


Dr. Bomba: Der Alltag auf einer Corona-Station ist insofern anders, dass man vor jedem Betreten des Patientenzimmers eine Schutzausrüstung (FFP2-Maske, Haube, Schutzvisier, Mantel, Handschuhe) anziehen muss. Dadurch wird der Kontakt zum Patienten aus Sicherheitsgründen grundlegend erschwert. Jeder Kontakt muss bewusst durchdacht werden, da jede Kleinigkeit, die man vergessen hat, in neuem Anziehen der Schutzkleidung mündet. Es ist sehr zeitaufwendig.
Natürlich werden die Patienten täglich visitiert, körperlich untersucht, wenn notwendig zu allen üblichen Untersuchungen wie Herzultraschall, Abdomensonographie, Röntgen oder ins Herzkatheterlabor gebracht.

Wie belastend ist die Situation für Sie und Ihre Kollegen auf der Station?


Es ist sehr zeitaufwendig die Schutzkleidung anzuziehen und dann vor allem sie wieder auszuziehen – ohne sich zu kontaminieren. Handhygiene ist das A und O. Natürlich macht sich jeder Gedanken über die Möglichkeit der Infektion am Patienten, aber wir kennen die Infektionswege, um die richtige Verwendung der Schutzkleidung und die situativen Schutzhandlungen am Patienten um die Infektionswahrscheinlichkeit zu reduzieren.
Wir alle hier im Krankenhaus haben vor dem SARS COV 2 Virus sehr wohl Respekt, aber keine Angst. Ich persönlich empfinde es nicht belastend. Im ärztlichen Beruf gibt es Tag ein Tag aus Situationen, die als belastend empfunden werden können. Nach so vielen Jahren im Beruf gehe ich damit um, wie mit einer neuen Umfelddefinition, in der ich mich und meine Mitarbeiter möglichst sicher bewegen müssen.
Deswegen tue ich auch alles dafür, dass jeder im Krankenhaus über die Erkrankung, Konsequenzen und die zur Verfügung stehenden Maßnahmen Bescheid weiß. Angst hat man nur vor Unbekanntem, sobald man weiß, was einen erwartet, geht man rational an die Sache ran.

Wie läuft der normale Krankenhausbetrieb abseits von Corona ab?


Es ist neu, alles durch die Corona-Brille zu sehen. Aber wir versuchen entspannt und gelassen zu bleiben, denn dann sind die Gedanken frei. Wir bleiben im Umgang mit Patienten freundlich und menschlich. Jeder versucht dem Patienten das Gefühl zu geben, dass man seine Probleme versucht zu verstehen und sie sehr ernst nimmt. Das ist das, was die Patienten von einem Arzt erwarten, egal ob in der Corona-Zeit oder davor oder danach.
Wenn es um die Diagnostik, Therapiepläne und deren Umsetzung geht, sind wir analytisch, nüchtern und zielstrebig. Hier sind keine Sentimentalitäten, sondern Ergebnisse gefragt. Das macht einen guten Arzt aus, sich in diesem Spannungsfeld gut zu bewegen – zwischen menschlich, verständnisvoll und nüchtern-analytisch.

Was bedeutet es eigentlich in Zeiten der Pandemie, Arzt zu sein? Leiten Sie die Station freiwillig?
Ich bin Arzt aus Leidenschaft und es ist meine Berufung. Zunächst war eine Corona-Station im Krankenhaus in Freyung geplant (natürlich war ich damit einverstanden), aus logistischen und organisatorischen Gründen hat es sich rausgestellt, dass sie am Standort Grafenau besser umzusetzen ist. Da habe ich sofort Ja gesagt, ich nehme die Aufgaben, wie sie kommen.
Probleme sind dazu da, um gelöst zu werden – rasch. Das muss man von jedem Arzt erwarten können, dass er sich immer mit den anstehenden Aufgaben konstruktiv und lösungsorientiert auseinandersetzt. Es ist eine neue Herausforderung und die habe ich mit einer herausragenden Unterstützung aller Mitarbeiter des Krankenhauses angenommen.

Was denken Sie bleibt von der Krise?


Die aktuelle Pandemie ist eine beispiellose Situation. Eine Krise will ich nicht sagen, denn stellen sie sich einen Virus vor mit der langen Inkubationszeit von 14 Tagen wie beim SARS COV-2 Virus und der Sterblichkeit der Infizierten wie bei Marburger- oder Ebolavirus. Sicherlich stellt uns die Pandemie vor viele Herausforderungen. Organisatorisch, wirtschaftlich, persönlich. Gerade auf der persönlichen Ebene spielen Verzicht und die allgemeinen Verbote eine große Rolle.
Es ist aber in meinen Augen eine Chance, das wertzuschätzen, was man schon immer hatte. Die Freiheit, sich überallhin zu bewegen, jeden zu treffen, den man treffen möchte. Vielleicht auch zu erkennen, dass das Gesundheitssystem, das wir haben, bei allen Kritikpunkten und Optimierungspotenzial, letztlich durch die Menschen vor Ort in den Arztpraxen und in den Krankenhäusern entscheidend geprägt und am Laufen gehalten wird. Es ist nicht perfekt, aber man muss lange in der Welt nach einem annähernd guten Gesundheitssystem suchen.

Wird sich vielleicht künftig in unserem Gesundheitssystem etwas ändern?


Die Änderungen im Gesundheitssystem sind meistens durch wirtschaftliche Zwänge bedingt. Ich hoffe, dass die Corona-Pandemie keine so nachhaltigen wirtschaftlichen Auswirkungen hinterlässt, dass sich die Politik gezwungen fühlt, da was zu ändern.

Hätten Sie aus ärztlicher Sicht anders auf die Krise reagiert?


Es war und ist für mich ein Lernprozess. Die wissenschaftliche Datenlage oder Empfehlungen ändern sich von einem Tag auf den anderen. Ich habe immer versucht, offen mit der Situation umzugehen, immer alle Mitarbeiter mit den mir zur Verfügung stehenden Informationen zu versorgen.
Aus meiner Sicht sollte man alles in der eigenen Macht stehende tun, um in der aktuellen Situation positiv und lösungsorientiert zu bleiben. Für diese sehr dynamischen Grundvoraussetzungen muss festgehalten werden, dass es da keinen Super-Plan geben kann. Wir befinden uns ständig in einer dynamischen Reaktionskette. Die einzig gute Reaktion gibt es hier nicht. Es ist eine sich von heute auf morgen ändernde Reaktionskaskade mit vielen Entscheidungen, die aufgrund von sich ständig ändernden Empfehlungen immer neu getroffen werden müssen.
Eigentlich reagiere ich jeden Tag auf die Pandemie neu, mit gesundem Menschenverstand und einer positiven Einstellung.

Sehen Sie sich selbst als Covid-Kämpfer?


Ich denke, dass das alles nichts mit einem Kampf zu tun hat, daher sehe ich mich auch nicht als Kämpfer.Ich sehe mich als positiven Moderator in dem sehr vielfältigem Spannungsfeld im Krankenhaus und im Klinikenverbund. Als Aufklärer aller Mitarbeiter, damit sie sich mit Wissen gegen das Virus schützen können. Ich zähle mich zu den wenigen glücklichen Personen, die ihre Berufung zu ihrem Beruf gemacht haben.

Sie haben eben gesagt, dass Sie Arzt aus Leidenschaft sind. Was macht Ihnen besonders Spaß an Ihrem Job?
Die Möglichkeit zu haben, Menschen zu helfen und mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen in einem Team arbeiten zu können. Die große Freiheit, sich selbst treu zu bleiben. Jeden Tag zur Arbeit zu gehen und zu wissen, dass der Tag auf jeden Fall anders wird wie der letzte.

Worauf freuen Sie sich am meisten nach Corona?


Ich freue mich schon sehr auf den Urlaub mit meinem Sohn und meiner Lebensgefährtin. Es ist die Zeit, in der man sich auf das Wesentliche besinnen kann – die Familie. Sollte er nicht zustande kommen, wäre es mir sehr wichtig, dass wir den Urlaub zu einem späteren Zeitpunkt zusammen wahr machen können.


Quelle: Passauer Neue Presse, Redaktion Grafenau. Die Fragen stellte Theresa Jöris